Das Hörbuch-Highlight auf der Baustelle: "The Devils" von Joe Abercrombie

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Das Hörbuch-Highlight auf der Baustelle: "The Devils" von Joe Abercrombie
KI-generiert

Die KI ist ja für alles Mögliche nützlich. Nachdem ich mich in letzter Zeit vermehrt in der Stephen-King-Welt aufgehalten oder Hörbücher von John Grisham, Martin Suter und Cay Rademacher gehört hatte, wollte ich irgendwann auch einmal weg von meinen üblichen Verdächtigen und andere Schriftsteller ausprobieren. Also habe ich die KI gefragt, welche Hörbücher sich besonders gut für eine Baustelle eignen. Denn dort brauche ich Geschichten, die mich über Stunden begleiten können, während ich irgendwelchen manchmal doch ziemlich monotonen Tätigkeiten nachgehe. Wände verputzen, Böden bearbeiten, irgendetwas schleifen, aufräumen – Kopfhörer auf und los geht’s. So bin ich zunächst bei Jo Nesbø und seinen Harry-Hole-Romanen gelandet. Ultra spannend und definitiv eine gute Empfehlung. Nach einigen Hörbüchern dachte ich mir allerdings: Jetzt muss mal wieder etwas anderes her. Die Wahl fiel auf Joe Abercrombie. Und das war ein absoluter Volltreffer. Mal eben kein Psychothriller, kein Thriller und auch kein Côte-d’Azur-Provence-Krimi. Stattdessen Fantasy. Einfach mal etwas ganz anderes.

Begonnen habe ich mit „The Devils“

Mein Einstieg bei Joe Abercrombie war „The Devils“ – und was soll ich sagen? Das Ding ist der absolute Brecher. Wie kann man nur so etwas zusammenschreiben? Ich kann da wirklich nur den Kopf schütteln – und das ist ausschließlich positiv gemeint. Grob gesagt schickt Abercrombie eine Truppe los, bei der man vermutlich schon nach wenigen Minuten feststellen würde, dass man mit diesen Gestalten besser nicht gemeinsam verreisen möchte. Eine Ansammlung höchst zweifelhafter Figuren macht sich auf eine Mission durch eine düstere, alternative Version Europas. Viel mehr muss man eigentlich gar nicht wissen. Denn für mich lebt die Geschichte ohnehin weniger davon, wohin die Reise geht, sondern vor allem davon, wer da miteinander unterwegs ist. Die verschiedenen Charaktere sind überspitzt, teilweise fast satirisch dargestellt und mit einer ordentlichen Portion Humor versehen. Ach, was schreibe ich denn da: Portion Humor! Da steckt so viel Sarkasmus, Ironie und bitterböser Humor drin, dass das Buch, wenn man es in den Händen hielte, wahrscheinlich davon triefen würde. Die Figuren sind einfach genial. Jede auf ihre ganz eigene, teilweise vollkommen bekloppte Art.

Und dann kommt David Nathan

Ich habe mir „The Devils“ als Hörbuch reingepfiffen, gelesen von David Nathan, meiner absoluten Lese-Koryphäe. Wobei „gelesen“ bei David Nathan eigentlich das falsche Wort ist. Herr Nathan liest nicht einfach ein Buch. Er wird zu dem Buch. Das klingt jetzt vielleicht etwas merkwürdig, beschreibt aber ziemlich genau, was ich meine. Ein einziger Mensch schafft es, den unterschiedlichsten Figuren eine eigene Stimme, einen eigenen Charakter und teilweise gefühlt sogar eine eigene Persönlichkeit zu geben. Nach einer Weile vergisst man vollkommen, dass dort eigentlich nur ein Mann vor einem Mikrofon sitzt. In einem anderen Artikel habe ich ja bereits einmal versucht, David Nathan entsprechend zu huldigen. Aber an dieser Stelle muss ich es einfach noch einmal aufgreifen. Denn bei „The Devils“ frage ich mich tatsächlich, ob das Buch beim Selbstlesen den gleichen Effekt auf mich gehabt hätte. Oder ob es gerade deshalb so unglaublich gut funktioniert hat, weil David Nathan in jede einzelne Rolle hineinschlüpft und den ohnehin schon völlig überzeichneten Charakteren noch einmal eine zusätzliche Ebene verpasst. Einfach Wahnsinn.

Ein irrer Trip und die Hoffnung auf Nachschub

Und dann diese Sprüche! Einige davon würde ich hier lieber nicht rezitieren. Schließlich ist diese Webseite frei zugänglich und bei manchen Formulierungen müsste ich wahrscheinlich erst einmal überlegen, ab welchem Alter ich diesen Artikel freigeben darf. Sagen wir einfach: Abercrombie ist bei der Wortwahl nicht unbedingt zimperlich. Genau das gehört aber dazu. „The Devils“ ist für mich eine herrlich irre Charakterstudie, eingebettet in eine spannende Fantasygeschichte und bevölkert von Protagonisten, bei denen man sich regelmäßig fragt, wer von ihnen eigentlich noch einen größeren Knall hat. Ich liebe dieses Hörbuch. Umso trauriger war ich tatsächlich, als nach unzähligen Stunden irgendwann das Ende kam. Das ist bei einem richtig guten Hörbuch ohnehin immer ein seltsamer Moment: Stundenlang begleiten einen diese Figuren auf der Baustelle, im Auto oder sonst wo – und plötzlich sind sie weg. Die entscheidende Frage lautete für mich deshalb natürlich: War es das jetzt? Erfreulicherweise nicht. Aus „The Devils“ soll eine Reihe werden. Ich bin also tatsächlich mehr oder weniger zufällig genau zum richtigen Zeitpunkt bei Joe Abercrombie eingestiegen. Wenn „The Devils 2“ erscheint, bin ich definitiv wieder dabei. Bitte mit der gleichen Portion Sarkasmus, der gleichen heftigen Ironie, diesen vollkommen irren Charakteren und diesem Humor, der irgendwo zwischen bitterböse, rabenschwarz und erstaunlich leichtfüßig angesiedelt ist. Ich bin bereit.

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