KI im Unterricht: Vom Frontalunterricht zum effizienten Lernbegleiter
Den richtigen Prompt zu finden oder zu erstellen, ist manchmal gar nicht so einfach. Warum also nicht als Hilfsmittel dazu die KI selbst befragen? Die KI weiß, wie sie tickt, wie man einen Prompt verfasst und welche Inhalte hineingehören. Im Prinzip ein ziemlich spannendes Thema. Bevor man Ausarbeitungen von einer KI durchführen lässt, sollte man zunächst hingehen und der KI Fakten liefern, worum es überhaupt gehen soll. Ganz wichtig bei neuer Nutzung: Frage die KI zunächst, welche typischen Fragen zu dem jeweiligen Thema geklärt werden müssen. Oder gib ihr die Anweisung: „Bevor du mit der Ausarbeitung loslegst, stelle mir noch 10 bis 15 relevante Fragen, um das Ergebnis so zielgruppengerecht wie möglich zu erstellen.“
KI-gestützte Unterrichtsvorbereitung und Professionalisierung
Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, über ChatGPT einen sinnvollen Prompt entwerfen zu lassen, mit dem Copilot Präsentationen für PowerPoint erstellen kann. Das funktioniert mittlerweile richtig gut. Zum Teil nutze ich ChatGPT auch für Überlegungen zur weiteren Professionalisierung meiner Unterrichtsausarbeitung. Damit am Ende alles aus einem Guss ist und qualitativ hochwertig aussieht, lasse ich bestimmte Dinge von Copilot querchecken oder neu ausarbeiten. Meine alten Präsentationen sind zwar nett anzusehen, aber bei Layout und Form zum Teil nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die Schüler haben heutzutage ganz andere Anforderungen, und denen möchte man schließlich gerecht werden. Bevor man sich hinsetzt und in mühsamer Kleinarbeit alles selber umfrickelt, kann man dazu die KI anschmeißen.
Lehrkraft als Lernbegleiter
Ich sehe meine Rolle als Lehrkraft mittlerweile wirklich im lernbegleitenden Unterrichten. Die Schüler – insbesondere in der Oberstufe oder im Gymnasium – sind alt genug, um Dinge selbst zu erfahren und auszuarbeiten. Sie brauchen Anleitung und Möglichkeiten, sich zu entwickeln; dementsprechend möchte ich ihnen überarbeitetes Arbeitsmaterial zur Verfügung stellen. Ganz wichtig bleibt aber am Ende des Tages die Prüfung dessen, was die KI da zusammengeschraubt hat. Bei allem professionellen Prompting darf man nicht vergessen, dass die KI nichts anderes ist als ein professioneller Assistent, der auch Fehler machen kann. Das muss man überprüfen. Deswegen bleibe ich dabei: Wenn man ein Thema erarbeitet, von dem man gar keine Ahnung hat, ist das kreuzgefährlich.
Fakten-Check durch KI-Ketten
Ich habe das mal probiert: Ich habe etwas von einer KI erstellen lassen, es in eine andere KI geschmissen und gesagt: „Überprüfe mal, inwiefern die Fakten stimmen oder nicht, und belege mir das mit Quellen.“ Natürlich gab es da jede Menge zu meckern. Ziemlich interessant. Aber einen Fehler hat the KI dann auch nicht gefunden, den ich gefunden habe. Sei’s drum. Hilfreich ist dieses Konzept des Promptings durch die KI für eine andere KI allemal. Auch bei der Erstellung von Arbeitsblättern für schrittweise Abläufe in Programmen ist das top. Ich habe das einfach mal ausprobiert und die KI ein Arbeitsblatt zum Thema Programmieren in Scratch erstellen lassen. Das war spannend.
Differenzierung bei extrem unterschiedlichem Vorwissen
Meine Herausforderung ist, dass ich ein extrem unterschiedliches Niveau in der Klasse habe: von versierten Schülern, die sehr gut mit dem PC arbeiten können, bis hin zu Schülern, die – auf Deutsch gesagt – nicht mal eine Maus schieben können oder nicht wissen, was Tastatur oder Maus am PC eigentlich sind. Das ist schwierig und muss ausgearbeitet werden. Um diesem Leistungsunterschied bei mehr als 25 Schülern gerecht zu werden, ist es wichtig, dass die schnellen Schüler genug Futter haben, um voranzukommen, während die anderen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen – Stichwort: Lernbegleitung.
Mehr Lernruhe durch KI-Materialien
Um Arbeitsmaterial zur Verfügung zu stellen, das nahezu allen Kindern gerecht wird, ist die KI ziemlich praktisch. Wer das selber schon mal gemacht hat, weiß, dass eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung für stetig wechselnde Softwareprodukte ziemlich mühselig und irre zeitintensiv ist. Mit Hilfe der KI kann man das in einem Bruchteil der Zeit erledigen und den Schülern hochwertiges Material bieten. So konnte ich meinen Unterricht vom Frontalunterricht umstellen, bei dem ich immer verzweifelt bin, weil 20 bis 30 Prozent nicht wussten, wo sie klicken müssen, während sich ein anderer Teil langweilte, weil er längst fertig war und in anderen Sphären des Internets unterwegs war.
Jetzt habe ich wesentlich mehr Lernruhe. Alle Kids können arbeiten, jeder auf seinem Stand, und ich kann gezielt zu den Schülern wechseln, die gerade nicht weiterkommen. Das macht wesentlich mehr Spaß und ist sinnvoller als Frontalunterricht, bei dem man fast einen halben Herzinfarkt kriegt, weil man krampfhaft versucht, die Schüler in eine Richtung zu lenken. Ich habe in meinem Leben so viele IT-Schulungen hinter mir, dass ich weiß, wovon ich rede: Das ist wahnsinnig anstrengend. Das liegt weniger an den Schülern selbst, sondern in der Natur der Sache. Jeder hat absolut unterschiedliche Arbeitsstände, was Computerarbeit betrifft. Manche sind so affin, dass sie schnell durchkommen; bei manchen erschließt sich die Logik nicht. Wie gesagt: Das geht nicht nur Schülern so, das ist in der Erwachsenenbildung genau das Gleiche. Durch diese differenzierten Materialien und die Möglichkeit, mit der KI gezielt einzugehen, macht das Ganze richtig Spaß und es ist beruhigend, den Kindern wirklich den hochwertigen Unterricht zu bieten, der ihnen gebührt.