Baustelle, Blut und Hörbücher: Warum mich die Klingensaga fesselt

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Baustelle mit Werkzeug und einem abspielenden Hörbuch auf einem Smartphone
KI-generiert

Ich bin schon wieder entsetzt. 23 Stunden sind um und Joe Abercrombies „The Wisdom of Crowds“ (dt. „Zauberklingen“), das achte Buch der „Klingensaga“, ist schon wieder vorbei. Wahnsinn. Das heißt aber auch, dass 23 Stunden Arbeit auf der Baustelle vorbei sind. Ein zynischer Erzählstil, düster das Ganze. Immer wieder neue Wendungen, immer wieder neue Erkenntnisse. Was für ein Schreibstil! Ich liebe seine Art, Dinge zu erzählen.

Insbesondere, wie Abercrombie eine Szene aus einer Perspektive schildert, bei der eine andere Person auftaucht. Diejenige verlässt dann die Szene, wir nehmen rein zufällig genau diese Person mit und werden auf deren Ebene in der Geschichte weitergeführt. Genial! Ich finde diese Methode sensationell. Das hat Abercrombie sensationell gut gelöst.

Baustelleneinsatz und literarische Begleitung

Es gibt bei mir momentan diese Parallele: Am Ende, wenn ich mit der Baustelle durch bin, werde ich all die Hörbücher, die ich gehört habe – und damit eben auch die Zeit, die ich auf der Baustelle verbracht habe –, mal Revue passieren lassen. Körperliche Plagerei: Staub, Lärm und Schweiß. Auf der anderen Seite Abercrombie als Gegengewicht mit Dreck, Blut, Matsch und jede Menge Flüchen. Man lacht doch dabei, oder? Sensationell.

Zum Teil ist die Arbeit auf der Baustelle stumpf, das gebe ich zu; wenig Arbeit, bei der man nachdenken muss. Es gilt einfach, die Dinge abzuarbeiten. Beim Bohren in die Wand muss ich jetzt nicht unbedingt wahnsinnige Gedanken stützen oder Intelligenzleistungen abliefern. Da ist es beruhigend, wenn man nebenbei ein wenig in die Klingensaga abtauchen kann. Teilweise bis spät in die Nacht hinein.

Die Herausforderung der Konzentration

Aber ich gebe auch zu: Die Kost ist dann doch nicht so leicht. Beim Überlegen, wo welche Wasserleitung, welches Heizungsrohr oder welche Stromleitung liegen muss, musste ich das Hörbuch dann doch stoppen. Das war sonst zu viel, zu viel Intensität. Ich hatte festgestellt: Wenn ich Denkaufgaben auf der Baustelle zu erledigen habe, kann ich Abercrombies Buch nicht nebenbei weiterlaufen lassen.

Bei anderen, sagen wir, seichteren Geschichten, kann man später wieder einsteigen. Bei Abercrombie eher nicht. Ansonsten ist man irgendwann an einer Stelle, wo man überlegen muss: Was macht diese Person dort gerade oder was macht die jeweilige Frau und wieso denn das auf einmal? Das macht dann keinen Sinn. Deswegen ergibt es Sinn, bei der Geschichte zu bleiben.

Sprecherleistung und Charaktertiefe

Besonders genial finde ich, dass David Nathan die gesamte Saga spricht. Ich hatte zwischendurch Bedenken, dass ein anderer Hörbuchsprecher die Saga weiterführen würde. Das wäre kontraproduktiv gewesen, denn ich gebe zu: Eine Geschichte von David Nathan gelesen zu bekommen, ist schon wahnsinnig sensationell, einfach weil er es schafft, in die verschiedenen Charaktere einzusteigen.

Und jetzt das Wichtige: Wir sind bei jedem Hörbuch bei roundabout 20 Stunden. Wenn man allein acht Bände mal 20 Stunden rechnet, sind wir schon bei 160 Stunden. Wobei die ersten Bände ja aufgeteilt wurden, sodass man wirklich faszinierend und anerkennend sagen muss: David Nathan macht hier einen großartigen, genialen Job. Er schafft es über diese Stunden hinweg, den Charakteren ihre Einzigartigkeit zu geben.

Was dem Ganzen die Krönung aufsetzt: Die Charaktere sind im achten Band etwas gealtert. Nehmen wir Glokta, der sitzt nun im Rollstuhl und ist ein alter Mann geworden. Sand dan Glokta ist also wieder da und entsprechend alt. Daher kann man Glokta nicht jung lesen. Er muss entsprechend gealtert sein, auch vom Lesen her. Das schafft David Nathan auf eine irre, sensationelle Art und Weise.

Ich gebe aber auch zu, dass man aufpassen muss, wenn man in diese Welt abtaucht: Ein Rückschlagventil hatte ich falsch herum in die Wasserleitung eingebaut, das macht natürlich keinen Sinn. Ergo musste ich das noch mal machen. Interessanterweise kam mir die Überlegung, ob ich das Ventil richtig eingebaut hatte, erst vor dem Einschlafen. Irre, was manchmal so durch den Kopf geht.

Blick nach vorn

„Zauberklingen“ ist nun vorbei und ich nähere mich dem Ende der Klingensaga. Ich werde mich auf der Baustelle mit „The Trouble with Peace“ (dt. „Friedensklingen“) beschäftigen und bin schon sehr gespannt, wie es da weitergehen wird. Warum? Na, ich will nicht spoilern, falls hier jemand diesen Beitrag gerade liest und die „Zauberklingen“ bzw. die Klingensaga an sich noch gar nicht in den Händen hatte.

Also auf geht es in die „Friedensklingen“. Dass ich aber allein acht Bände durchgehalten habe und die Hörbücher nicht weggelegt habe, sollte davon zeugen, dass die Klingensaga eine wahnsinnige Qualität hat.

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