Hausaufgaben und ChatGPT – das ist inzwischen so eine Sache. Hausaufgaben haben ja schon immer einen zweifelhaften Ruf gehabt. Für viele Schülerinnen und Schüler bedeuten sie schlicht: weniger Freizeit. Dabei wird häufig vergessen, dass bei vielen Klassen – nicht bei allen, aber bei vielen – irgendwo im Stundenplan eine Stunde fehlt. Eigentlich also genügend Zeit, um Hausaufgaben bereits in der Schule zu erledigen. Anders sieht es teilweise in der Oberstufe oder an Gymnasien aus, wo der Lehrermangel nicht ganz so stark ausgeprägt ist. Dort geraten Schülerinnen und Schüler oft unter erheblichen Zeitdruck, weil sie mit dem Stoff nicht mehr hinterherkommen. Warum das so ist, sei einmal dahingestellt. Früher hat es schließlich auch funktioniert. Heute scheint plötzlich vieles schwieriger geworden zu sein. Hausaufgaben, Hobbys und Schule – wie soll man das alles noch unter einen Hut bringen?
Zum Glück gibt es inzwischen ChatGPT. Genau das stellt jedoch viele Lehrer vor eine neue Herausforderung. Soll man Hausaufgaben künftig so gestalten, dass sie möglichst nicht mit KI gelöst werden können? Doch wie soll das eigentlich funktionieren? Stellen Sie einmal eine Hausaufgabe, die sich nicht einfach abfotografieren und von einer KI lösen lassen kann. Matheaufgaben kann eine KI erklären. Biologiefragen ebenso. Bei Deutschaufsätzen brauchen wir gar nicht erst anfangen. Vokabeln sind ebenfalls kein Problem. Eine KI kann nahezu jede klassische Hausaufgabe beantworten.
Man könnte natürlich auf die Idee kommen, Hausaufgaben nur noch als Video zu stellen. Aber so weit sollte es nun wirklich nicht kommen. Audiovisuelle Aufgaben können zwar sinnvoll sein, lösen das Grundproblem jedoch auch nicht. Deshalb bleibt für mich ein anderer Ansatz entscheidend: der Umgang mit KI selbst.
Eigentlich dürfen Lehrer auf viele KI-Systeme im Unterricht gar nicht direkt eingehen – zumindest solange sie von Unternehmen außerhalb Deutschlands betrieben werden. Der Hintergrund ist weniger Amerika als vielmehr der Datenschutz. Viele Dienste sind schlicht nicht vollständig datenschutzkonform. Selbst bestimmte Einstellungen innerhalb solcher Systeme ändern daran wenig. Also bleibt zunächst einmal der Weg über die Werkzeuge, die von den Ministerien oder offiziellen Plattformen zur Verfügung gestellt werden.
Gleichzeitig muss man Schülerinnen und Schüler darüber aufklären, wie diese neuen Werkzeuge sinnvoll genutzt werden können. Denn eines steht fest: Jeder Schüler hat heute einen zusätzlichen Lehrer zu Hause – eine KI. Natürlich kann eine KI Fehler machen. Sie kann halluzinieren oder falsche Informationen liefern. Doch im Dialog mit einer KI kann man erstaunlich viel lernen. Gerade im Austausch merkt man relativ schnell, wo Fehler liegen oder wo etwas nicht stimmt. Genau das kann für Schülerinnen und Schüler sogar sehr interessant sein.
Deshalb müssen wir sie befähigen, richtig mit diesen Werkzeugen umzugehen. Der einfache Weg – eine Lösung einfach zu kopieren – ist zwar bequem, aber nicht zielführend. Hausaufgaben sollen keine bloße Beschäftigung sein. Sie sollen dazu dienen, den Stoff zu reflektieren, Verfahren zu üben und Wissen so lange zu trainieren, bis es gewissermaßen in Fleisch und Blut übergeht. Darauf baut schließlich der Unterricht der nächsten Stunde auf.
Aber was ist mit Schülerinnen und Schülern, die bei einem Lehrer schlicht nichts verstehen? Man kann sie auf Lernvideos verweisen. Das ist eine Möglichkeit. Doch was passiert, wenn auch diese Videos nicht helfen, etwa weil grundlegende Kenntnisse fehlen? Dann landen viele bei der klassischen Nachhilfe. Dort versucht jemand, den Schüler wieder auf die richtige Spur zu bringen. Das kann funktionieren – muss es aber nicht.
Problematisch wird es dann, wenn Nachhilfe nicht wirklich erklärt, sondern lediglich Lösungen vorgibt. Dann haben wir letztlich nur eine menschliche Version von KI: jemand, der die Antwort liefert, ohne das eigentliche Problem zu lösen. Genau hier liegt der entscheidende Punkt. Die Aufgabe besteht darin, Schülerinnen und Schüler so zu befähigen, dass sie mit einer KI denken – und nicht die KI für sich denken lassen.
Wenn ich eine KI meine Aufgaben lösen lasse, dann lagere ich mein eigenes Denken aus.
Und wenn Denken ausgelagert wird, trainiert man den wichtigsten Muskel, den wir haben – unser Gehirn – nicht mehr. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Deshalb ist es entscheidend, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wie sie mit KI zusammenarbeiten können, um neues Wissen zu erschließen. Die Technik ist nicht das Problem. Entscheidend ist, wie wir lernen, sie sinnvoll zu nutzen.