Ach, ist das traurig. Da ist das Buch auch schon wieder vorbei. Kai Rademacher, Roger Blanc – „Bedrohliche Alpilles“. 17 Stunden und ein bisschen Hörbuch, das war schon wieder ein echter Genuss gewesen.
Oliver Siebeck wieder auf höchstem Niveau. Sensationell. Vielen Dank an Herrn Siebeck für diese fantastische Interpretation des Buches. Das macht immer wieder Spaß.
Ich kann gar nicht genug davon bekommen. Ich freue mich jetzt schon wieder auf den Mai 2027, wenn dann Band 14 erscheinen wird. Und auch die Bitte an Kai Rademacher: Bitte nicht nachlassen. Machen Sie weiter. Cold Cases sind sensationell. Damit kann man doch unglaublich viel machen. Gerade historische Fragmente lassen sich dadurch wunderbar in die Krimireihe einbauen.
Aber nun zum aktuellen Band. Spoilern werde ich in diesem Artikel nicht. Wer das Buch lesen möchte, soll es lesen. Und jeder, der Provence-Krimis mag, sollte sich die Bücher von Cay Rademacher unbedingt anschauen.
Ich habe die Hörbuchversion gehört. Was für ein blödsinniger Satz – kann man eine Hörbuchversion überhaupt lesen? Naja, lassen wir das. Es geht einfach darum, dass ich auf meiner aktuellen Baustelle ein Hörbuch nach dem anderen verschlinge. Monotone Tätigkeiten und dazu ein gutes Hörbuch, damit der Geist auch etwas zu tun hat. Mit den Händen im Dreck wühlen und geistig Urlaub machen – das war mehr oder minder auch das Ziel. Und genau das hat dieses Hörbuch wieder wunderbar geschafft.
Zwar werden diesmal weniger kulinarische Klischees bedient als in den vorherigen Büchern. Das war ja sonst immer etwas paradox gewesen. Du stehst auf der Baustelle und Roger Blanc sitzt mit seinem Team irgendwo in einem kleinen Restaurant und bestellt einen Aperitif nach dem anderen. Diesmal hat Cay Rademacher – oder ich habe es einfach nicht so bewusst wahrgenommen – die kulinarischen Beschreibungen etwas zurückgenommen. Nicht schlimm. Tut dem Buch keinen Abbruch. Vielleicht ist das auch einfach eine Entwicklung innerhalb der Reihe. Ob das Absicht ist, weiß ich nicht. Jedenfalls hörte sich das Buch richtig gut weg.
Am Anfang war ich allerdings kurz entsetzt gewesen. Sollte Rademacher tatsächlich die beiden anderen Hauptprotagonisten Fabienne und Marius aus dem Buch herausgeschrieben haben? Nach einem Jahr Wartezeit plötzlich zwei Figuren weniger? Dazu wurde Chef Nicolo Fabreguettes befördert – zwei goldene Sternchen. Damit wird auch Roger Blanc wieder stärker aus dem Schatten herausgehoben und kann sich erneut etablieren, so wie es Staatsanwältin Aveline Vialaron-Allègre entsprechend formuliert.
Das zumindest darf man spoilern: Der Korruptionsermittler Roger Blanc darf sich wieder offiziell an die Front stellen.
Es war ein schöner Fall – insofern man Mord und Totschlag überhaupt als schön bezeichnen darf. Nach der anfänglichen Ernüchterung, dass Roger Blanc zunächst alleine ermittelt hatte, kam dann doch wieder die Freude auf, dass die anderen Figuren weiterhin mit dabei sind. Marius vielleicht nicht ganz so, wie man es sich vorgestellt hätte, aber vielleicht entwickelt sich das noch weiter. So funktioniert es jedenfalls auch.
Leider sind 17 Stunden und ein bisschen einfach zu wenig, um lange genug in der Provence zu bleiben. Zwei Tage hat es gedauert, das Hörbuch durchzuhören. Zwei Tage Baustelle und geistig in der Provence unterwegs. Vielen Dank dafür.
Fünf Sterne für dieses Buch.
Warum fünf Sterne? Das ist leicht erklärt. Rademacher schafft es erneut, die Provence nach Hause zu holen. Landschaftlich taucht man immer wieder komplett ein. Außerdem ist die Geschichte richtig gut aufgebaut. Man kann dem Plot sehr gut folgen. Wahrscheinlich funktioniert das beim Lesen sogar noch besser, weil man die Namen direkt vor sich sieht. Das geht mir zumindest so.
Das eine oder andere Mal vergesse ich dann doch: Wer war denn jetzt noch mal wer? Da sind sehr viele Menschen in diesem Buch dabei. Aber genau das macht die Geschichte eben auch lebendig. Von meiner Seite aus ist es ein absolutes Hörerlebnis. Ich gebe drei Daumen hoch – wenn man sie denn hätte.


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