Schreiben durch Diktieren: Ist das noch echte schöpferische Arbeit?
Ist das eigentlich noch Schreiben, wenn man Texte diktiert? Eine spannende Frage, die ich dann der KI einmal gestellt hatte. Ist das richtig, was ich da mache? Ich diktiere unheimlich gerne die Texte, aber ist das dann noch wirklich Schreiben? Hat das noch was mit einem kreativen Modus zu tun?
Oder befinden wir uns hier nicht vielmehr in einem ziemlich schwachen Umfeld, sodass man von einem wirklichen kreativen Prozess oder kreativen Schreibprozess gar nicht erst sprechen kann. Müssen die Worte nicht per Hand aneinandergereiht werden, um irgendwo sinnvolle Texte schreiben zu können? Eine sehr interessante Frage.
Aber laut der Recherche gibt es wohl einige Autoren in der Vergangenheit, die entweder ihre Texte diktiert haben, aber weiß Gott nicht mit dem Füller oder mit dem Stift damals alles zu Papier gebracht haben. Die unglaubliche Produktivität eines Winston Churchill geht zum Beispiel auch darauf zurück, dass er seine Texte hat von einer Sekretärin schreiben lassen.
Jetzt kann irgendjemand ja behaupten, okay, da war zumindest noch ein Mensch in der Textestellung mit daran beteiligt, aber das hat ja ungefähr den Charme, als ob wir davon sprechen, von A nach B zu reisen und vor uns und auf einer Rikscha sitzen, um die Reise anzutreten. Wahlweise eben in unseren Breitengraden dann das Pferd.
Ich will damit sagen, wir haben die Reise von A nach B durch das durch die technische Möglichkeit eines Automobils ersetzt. Die Transkription ist schon lange kein Thema mehr durch die Technik zu ersetzen. Die klassische Sekretärin, die früher noch, und ich kenne das noch, mit Kopfhörern im Büro gesessen hatte und dann den Text, den der Geschäftsführer oder mit den Geschäften beauftragte Manager, in sein Diktiergerät diktiert hatte, zu transkribieren, war das eine Thema gewesen. Ich kenne das noch.
Aber mittlerweile hat sich das Rad der Zeit ja eben weitergedreht. Schöne Grüße an Stephen King, nicht meine Formulierung, Klammer zu. Wir können heute die Technik dafür benutzen. Früher war es ja so gewesen, dass ich meine diktierten Sachen erst einmal in Google Drive speichern musste und dann durch die Wort-Transkription, die es damals im Paket mitgabe, transkribieren lassen musste. Das war dann schon immer ein Aufwand gewesen.
Du warst irgendwie draußen unterwegs, warst mit dem Hund Gassi gewesen und konntest dann deinen Text irgendwo reinschieben in das in die Cloud und dann dort transkribieren lassen. Das war auch schon ziemlich interessant gewesen. Wörter hatte damals eben auch schon probiert, bestimmte Satzzeichen richtig zu setzen, aber bestimmte Diktierfehler waren eben noch mit da gewesen und konnten gar nicht geändert werden, weil man es ja genau so diktiert hat.
Sind wir immer noch in einem kreativen Schreibprozess, wenn man es diktiert? Da gibt es ein klares Ja. Ich glaube, dass ich auch einer von den Menschen bin, die gerne im kreativen Prozess sind und ganz eintauchen können, wenn das Diktiergerät läuft. Ich gebe zu, dass sich manche Situationen erst einmal dafür eignen müssen, einen Text überhaupt erst einmal zu diktieren. Das Umfeld muss dann auch passen.
Ein geeigneter Spaziergang geht, ein ruhiges Büro zu Hause ist ein Muss. Nebenbei mal eben was zu diktieren, wenn die Kinder rumspringen oder man irgendetwas anderes machen möchte, ist logischerweise Schwachsinn. Zumindest für mich funktioniert dieser Workflow überhaupt nicht.
Zu meinem Workflow gehört, dass ich in Ruhe darüber nachdenken kann, was ich diktieren möchte, was ich schreiben möchte. Und ja, tatsächlich beschreibe ich dann mein Diktieren eben auch als Schreibprozess. Denn das, was da rauskommt, was dann irgendwo mal diktiert war, ist ja noch nicht final fertig. Es sind ja noch Rohtexte.
Was wäre ich denn für ein Mensch, der den ersten Entwurf entwerfen könnte durch Diktieren und sofort einen fantastischen ersten Entwurf hingelegt hätte? Ich habe keine Ahnung, woher ich das erste Zitat habe, aber angeblich soll ja Hemingway mal gesagt haben: Der erste Entwurf ist immer scheiße.
Wahrscheinlich stimmt das. Nein, ich glaube, er hat recht. Es ist nicht nur einfach ein Mantra. Es ist nicht nur einfach irgendein dahergesagter Satz. Ich glaube, Hemingway hat recht. Und sind wir mal ehrlich, ob ich den ersten Entwurf per Hand hinschreibe und dann alles noch mal durchgehe und alles noch mal durchkaue, oder ob ich diesen ersten Entwurf diktiere, oder zumindest Teile davon diktiere, ist doch am Ende des Tages vollkommen egal.
Wichtig ist erstmal, dass dieser ganze Prozess, dass die Gedanken, die Energie aus meiner Murmel stammen. Schlimm wäre es ja, wenn ich zur KI sagen würde, ich habe eine Idee, ich könnte einen Blogartikel über das und das Thema schreiben. Schreib mir mal den Artikeltext dazu und dann formuliere ich es so, dass das alles meine Idee gewesen wäre. Das ist natürlich grob fahrlässig und grober Unfug. Was für ein Blödsinn.
Nein, diese gesamten Ideen und Texte, die da irgendwann standen, sind stammen alle aus meiner Murmel, aus meiner Rübe. Sind zwar quer gelesen von der KI, gerade was das Thema Rechtschreibung und Grammatik betrifft und eben ansatzweise schon mal ein Lektorat, aber immerhin noch nicht auf Verlagsniveau. Kann man machen, muss man aber nicht. Wie dem auch sei, die Frage, ob man einen Text diktieren kann, oder ob es unbedingt die zehn Finger sein müssen, sei damit beantwortet.
Man braucht zwar letzten Endes zum Schreiben eigentlich nur Papier und Bleistift, aber ich glaube, dass jeder so seinen eigenen Weg finden kann oder jeder Autor seinen eigenen Weg hat, die Dinge anzugehen und umzusetzen. Ziemlich genial das Ganze.