Ich hatte mir ja schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob es überhaupt noch Sinn macht, eine eigene Website zu betreiben. Macht das überhaupt Sinn? Selbst zu schreiben und dort Beiträge zu veröffentlichen?
Machen wir uns nichts vor: Das Internet ist voll mit Webseiten. Das Internet ist voll mit generischem Zeug, das gerade aufgebaut wird. Ich glaube, seit 2021 oder 2022 gibt es dafür sogar einen Begriff: Slop.
Mit diesem Begriff wird beschrieben, dass das Internet momentan mit KI-generierten Inhalten überflutet wird. Nicht nur Bücher werden mit KI geschrieben, sondern auch Beitragstexte, Bilder, Videos und alles Mögliche andere. Damit werden die sozialen Medien regelrecht überschwemmt. Teilweise können die Leute das gar nicht mehr auseinanderhalten. Hat Angela Merkel jetzt genau das gesagt, was dort behauptet wird? Hat Friedrich Merz wirklich acht Wochen Sommerferien beschlossen? Dieses Zeug geht teilweise ungefiltert viral.
Irgendwann kommen die Leute dann doch dahinter und fragen nach. Irgendeiner wird skeptisch und sagt: „Das kann doch gar nicht sein.“ Erst dann wird geprüft. Erst dann wird nachgeschaut. „Ach schau mal, das ist ja gar nicht real.“ Diese Fakes werden immer mehr.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wann das war, aber ich hatte von einer Autorin gehört, die angeblich pro Woche ein Buch veröffentlicht. Selbst als Leser müsste ich doch irgendwann aufmerksam werden, dass das gar nicht funktionieren kann.
Wenn mein geliebter Autor Kai Rademacher mit seiner Roger-Blanc-Reihe pro Jahr einen Band veröffentlicht, dann ist das für mich zwar zu wenig – er dürfte gerne mehr liefern –, aber irgendwo wirkt es noch realistisch. Man hat zumindest das Gefühl, dass dort wirklich Arbeit, Zeit und Persönlichkeit hineinfließen.
Wenn ich dagegen jede Woche einen neuen Roman derselben Autorin sehe, müsste ich doch irgendwann merken, dass das unmöglich ist. Die Frau kann doch gar nicht jede Woche ein komplettes Buch schreiben, lektorieren lassen und veröffentlichen. Irgendwann stellt sich dann heraus: Mist, das ist ja alles KI-generiert. Und plötzlich brechen die Umsätze ein.
Wahnsinn.
Die Leute wollen also tatsächlich Bücher von echten Autoren lesen. Das beruhigt mich schon einmal.
Dementsprechend werde ich auch weitermachen. Zwar habe ich aktuell erst ein Buch veröffentlicht, aber ich möchte weiter an den anderen Büchern arbeiten. Während ich versuche, meine ganzen Baustellen unter einen Hut zu bekommen, will ich nebenbei eben auch weiter Beiträge veröffentlichen.
Ob das irgendjemand liest, sei erst einmal dahingestellt. Denn primär geht es um etwas, das schon Katharina Lewald gesagt hatte: Man muss auch veröffentlichen.
Dieser Akt des Veröffentlichens ist wichtig. Es ist wichtig, dass du nicht nur schreibst, sondern auch für Leser schreibst. Das hier soll ja irgendwann irgendjemand lesen.
Ich bin mir bewusst, dass nicht jeder Artikel auf meiner Website ein Volltreffer sein wird. Ob Google gleich eine gesamte Website abstraft, wenn dort auch Feuilletonartikel, Kommentare oder Gedankensplitter erscheinen, weiß ich nicht.
Aber genau das möchte ich auf meiner Website eben auch haben. Auf der einen Seite Fachartikel, auf der anderen Seite Gedanken zur Gesellschaft, Kommentare und persönliche Beobachtungen. Auch diese Dinge möchte ich loswerden und schriftlich festhalten – selbst wenn sie vielleicht kaum jemand liest.
Ich schreibe ja nicht primär für Google, sondern für Leser. Vielleicht interessiert irgendjemanden genau dieser Artikel besonders.
Natürlich muss man solche Texte erst einmal finden. Aktuell ist es ja so, dass ich etwas veröffentliche und erst einmal wenig passiert. Einfach, weil kein richtiges Marketing dahintersteht. Marketing im Sinne von Sichtbarkeit – nicht im Sinne von Fake News.
Ich glaube allerdings, dass dieser ganze Slop, diese Flut aus KI-generierten Medien, auch einen positiven Effekt haben könnte. Die Menschen besinnen sich vielleicht wieder stärker auf persönliche Gespräche. Davon gehe ich zumindest aus.
Wenn du ins Netz schaust und dort nur noch künstlichen Müll siehst, dann möchtest du irgendwann vielleicht wieder mit einem echten Menschen sprechen. Du möchtest wissen, was Menschen wirklich denken und fühlen.
Im Fernsehen hatten wir schließlich auch schon immer Unterhaltung, die eher auf Ablenkung als auf Tiefgang setzt. Bauer sucht Frau, Der Bachelor oder andere Formate, die für mich persönlich wenig Mehrwert haben. Ich möchte mich dabei moralisch gar nicht über andere stellen. Jeder darf schauen, was er möchte.
Aber ich glaube, solche Formate schaut man meistens nicht, weil man intellektuell gefordert werden möchte. Man schaut sie, um abzuschalten. Das läuft nebenbei.
Ich persönlich könnte das nicht. Für mich wäre es Zeitverschwendung. Aber ich bin eben auch nur ein Schreiberling. Wer bin ich schon, das abschließend zu beurteilen?
Trotzdem finde ich die Frage spannend: Schaut die sogenannte Bildungselite solche Formate wirklich weniger? Oder ist das am Ende auch nur ein Klischee?
Woher kommt eigentlich noch einmal der Spruch: „Wer alle erreichen will, muss den Sinn weglassen“?
Genau das sehe ich oft bei Trash-TV. Aber die Menschen schauen es eben trotzdem bewusst. Genauso schauen sie sich auch KI-generierte Inhalte bewusst an und lachen darüber. Sie wissen, dass der Inhalt künstlich erzeugt wurde. Sie lassen sich schließlich auch von Alexa einen Witz erzählen. Meistens sind die nicht besonders gut, aber irgendwie trotzdem unterhaltsam.
Erschreckend finde ich diese Entwicklung ehrlich gesagt nicht. In zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren werden wir wahrscheinlich über den heutigen Stand der KI lachen.
Vielleicht haben wir irgendwann tatsächlich menschenähnliche Maschinen zu Hause stehen – eine Art C-3PO. Als Star-Wars-Fan hätte ich persönlich kein Problem damit, mich mit einer Maschine zu unterhalten.
Ich glaube ohnehin, dass wir irgendwann bei einer Mischung landen werden: Brot und Spiele. Unterhaltung gab es schließlich schon immer. Die Römer hatten das Kolosseum. In den Neunzigern kamen RTL, ProSieben und Sat.1. Heute haben wir eben KI-generierte Inhalte.
Vielleicht wollen Menschen manchmal einfach nur Zeit herumbringen.
Für mich persönlich wäre das allerdings zu wenig. Für mich stiftet das keinen echten Sinn. Aber für andere mag genau das passen.
Damit sind wir wieder bei der Ausgangsfrage angekommen: Lohnt sich Schreiben heute überhaupt noch?
Ich sehe das aus meiner eigenen Perspektive heraus. Ich möchte Bücher von Kai Rademacher lesen. Ich möchte Martin Suter lesen. Ich möchte Stephen King lesen. Ich möchte ihre individuellen Stimmen lesen und wissen, dass dort ein echter Mensch dahintersteht.
Deshalb bin ich auch bereit, einen Euro fünfzig mehr dafür zu bezahlen. Die Menschen sollen schließlich auch von ihrer Arbeit leben können.
Warten wir also ab, wohin die Reise geht.
Sterben werden soziale Medien sicher nicht. Aber vielleicht verändern sie sich. Vielleicht wird es irgendwann wirklich zwei Ströme geben: einen allgemeinen Stream voller Trends, viraler Inhalte und Unterhaltung – und einen zweiten Stream mit Beiträgen von Freunden, Menschen, denen man wirklich folgt, und Dingen, die persönlich relevant sind.
Vielleicht wird die Direktnachricht irgendwann sogar wieder wichtiger.
Warten wir es ab.


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