Ein Abend am Altenberger See: Zwischen Idylle, Bohrgeräuschen und Ostalgie
Ein Tag am Altenberger See. Ich bin da zwar Dauercamper, aber das tut ja keinem Abbruch, dem See mal wieder einen Eintrag zu widmen. Ganz ruhig liegt er da, windstill ist es gerade. Kein Wölkchen am Himmel, aber es ist zu trocken. Der See führt zu niedriges Wasser. Es fehlt der Austausch von frischem Wasser, damit er mal wieder klarer ist. Leider Gottes hat sich die Grünalge viel zu breitgemacht. Aber zum Glück haben wir noch nicht die Blaualge, sodass man trotzdem noch im Wasser baden kann. Jetzt abends in der Dämmerung gibt es dieses fantastische Schauspiel von unzähligen Fledermäusen, die auf Beute gehen über dem See. Was für ein Naturschauspiel! Millionen von Wasserläufern, die hier auf dem See ihren Tanz vollziehen.
Morgendliche Ruhestörung durch Südlink
Diese Woche ist das Erlebnis am Altenberger See leider etwas eingeschränkt. Das liegt aber nicht am See oder an der Lage, sondern das liegt an Südlink, die gerade im Wald verlegt wird. Damit einhergeht das stetige Rauschen einer Bohrmaschine, die netterweise bereits um sieben Uhr morgens loslegt und dann gnadenlos durcharbeitet. Zum Glück nicht 24 Stunden und nicht sieben Tage die Woche, aber der eine oder andere Camper tut mir dann doch leid, wenn er direkt oberhalb des Sees seinen Campingplatz aufgeschlagen hat und dann gleich am Morgen um sieben Uhr von dieser Bohrmaschine geweckt wird. Aber da heißt es nur: Arschbacken zusammenkneifen und durch. Wir alle brauchen irgendwie doch den Strom, nicht wahr? Irgendwie hängen wir ja alle an dieser Achillesferse des Lebens.
Ein Idyll für alle Generationen
Ich habe keine Ahnung, wer mehr Plätze hat – die Dauercamper oder die zeitweiligen Besucher. Auf jeden Fall freut es mich, dass man am See alle begrüßen kann. Unterschiedlichste Nationen, diese Woche habe ich vermehrt Niederländer gesehen. Unser Altenberger See, ein kleines Örtchen an Ruhe, Natur pur. Ein schöner Erholungspark. Es ist kein klassischer Campingplatz für die Familie mit wahnsinnigen Spielgelegenheiten, Riesenrutschen oder irgendwas, aber das braucht es auch nicht. Die Kinder finden hier immer etwas zum Spielen. Da ist der Wald, der allein ist ja für die Kinder heutzutage schon so was wie etwas Exotisches. Okay, ich möchte nicht übertreiben, es gibt die Kinder und die Kinder, aber man kann sich wunderbar hier erholen. Und das ist das Schöne.
An der südlichen Seite begeistert ein kleiner Seerosenteich die Besucher, beziehungsweise wachsen dort Seerosen. Das sieht einfach schön aus, was für tolle Blüten, einfach fantastisch. Jetzt gerade, als ich hier in der Abenddämmerung herumlaufe, spiegeln sich die verschiedenen Wohnwagen im See. Ganz da hinten ist mein Bus und mein Wohnwagen.
Ostalgie und alte Geschichten am See
Witzig finde ich ja die alten DDR-Lampen, die man hier um den See herum noch sieht. Ich weiß gar nicht, ob sich der eine oder andere Besucher des Sees wirklich bewusst ist, dass es sich hier noch um alte DDR-Lampen handelt, mittlerweile ein Relikt, das vor 36 Jahren ja ausgestorben ist. Wahnsinn! Ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn ich das sehe. Oft genug treffe ich dafür auf Besucher, die sich mit mir unterhalten und fragen: 'Na, Sie sind wohl Dauercamper?' oder 'Sind Sie öfters hier?' Ja, sage ich, lächle mit einem einladenden Lächeln und meistens erzählen die Leute dann von früher. Erst letztens war wieder jemand da gewesen, der davon erzählte, dass er in der Jugend hier am See ein Ferienlager gemacht hatte. Damals gab es da drüben in der runden Halle noch das Kino. Heute unvorstellbar. Man musste sich an einem Punkt treffen, wo viele Menschen zusammen Kino schauen. Den Film konnte man sich nicht aussuchen, man konnte es nicht streamen und man konnte sich nicht gemütlich irgendwohin hocken, sondern man traf sich zusammen in einem Ort und genoss das Schauspiel. Na ja.
Unter dem Sternenhimmel mit "Fred"
Ein erster Stern geht auf am Horizont und läutet die Nacht ein. Heute Nacht soll es kalt werden am See, aber das ist für mich kein Problem. Ich habe ja meinen Fred, wie ich meinen Wohnwagen liebevoll nenne. Fred war ein emotionaler Kauf. Auch Fred ist so alt wie die Steinkohle, mittlerweile auch schon über 30 Jahre alt. Und meine Güte, da gibt es ja fast schon eine eigene Geschichte, die ich darüber erzählen kann. Eigentlich auch eine eigene Geschichte zum Umbau, die mir gerade hier, spazieren gehend, durch den Kopf geht.
Wenn man dann die Kids sieht, die spielen, im Wasser, Wasserball, oder mit dem Stand-up-Paddle-Board hier herumwuseln... Dann gibt es jetzt die Kids am Abend, die auch die Ruhe genießen, am See sitzen, einfach mal da sind, aber dann eben auch das Smartphone in der Hand haben. Aber wirklich geißeln darf man sie doch nicht. Denn schließlich suchen sie ja trotzdem die Atmosphäre, draußen zu sein, am See, in der freien Natur. Was sie dann am Smartphone machen, sei jetzt mal dahingestellt, aber... Das junge Pärchen, was ich gerade gesehen habe, wird heute Nacht sicherlich noch anderweitig zueinander finden und die Stille und Ruhe am See genießen.