Harry Hole auf dem Bildschirm: Zwischen Buchvorlage und Netflix-Serie
Ist es möglich, einen dermaßen tiefgründigen Roman wie die Harry-Hole-Reihe von Jo Nesbø auf die Leinwand zu bringen? Geht das überhaupt? Als Kinofilm würde das Thema verrecken, da bin ich mir sicher. Als Netflix-Serie aufgezogen, kann es funktionieren. Schauen wir uns das mal an: Freigegeben ab 16 Jahren, eine Miniserie mit neun Folgen, die zurecht durch die Decke geht. Wahnsinn.
Charakterdarstellung und schauspielerische Tiefe
Der Schauspieler bringt Harry Hole sensationell rüber. Genauso muss es sein, genau so stellt man sich Harry vor. Das Hörbuch, gesprochen von unserem geliebten Sascha Rotermund, ist einfach genial. Man überlegt sich, ob es überhaupt Sinn macht, danach noch die Serie zu schauen. Aber tatsächlich funktioniert sie erschreckend gut. Sie bringt diesen tiefen, psychologisch aufwendigen Charakter von Harry Hole rüber. Jo Nesbøs Harry Hole ist sensationell gelungen.
Entwicklung und Abgründe der Hauptfigur
Vom dramaturgischen Aufbau her entwickelt sich der Charakter technisch gesehen nicht weiter. Grundlegend bleibt er aus meiner Sicht auf der Stelle stehen. Er entwickelt sich nur langsam Schritt für Schritt, aber nicht so dramatisch, dass man sagen könnte, wir haben innerhalb der neun Netflix-Folgen einen komplett anderen Menschen kennengelernt – überhaupt nicht. Wir erleben den Absturz, es bleibt der Absturz, und wir schauen in den tiefgründigen Abgrund, den Menschen erfahren können.
Einblicke in die Serienadaption
Die spannende Frage ist natürlich, ob ich neutral bin, denn ich habe erst die Bücher gelesen beziehungsweise gehört, aber nicht gesehen. Die Harry-Hole-Serie bei Netflix zeigt nur einen Ausschnitt und fängt weiß Gott nicht bei der ersten Folge an. So gesehen haben wir keinen tiefgründigen Einblick, inwiefern die Regisseure die Figur wirklich so umgesetzt haben, wie Jo Nesbø es geschafft hat. Nichtsdestotrotz ist die Thrillerserie auf jeden Fall sehenswert.