Herausforderung Balkenkonstruktion: Wenn Injektionsmörtel zur Notlösung wird
Tja, da war das Problem: Wie bekomme ich es hin, dass ich über der Balkenkonstruktion den neuen Sturz setzen und das Mauerwerk darüber richtig abstützen kann?
Das heißt, wie stelle ich einen ordentlichen Verbund her, sodass mir die Steine nicht irgendwann herunterkommen? Ich habe verschiedene Möglichkeiten überlegt.
Die ganz einfache Variante wäre gewesen: Beim Einsetzen des Sturzes bringe ich Betonmörtel auf den Holzbalken auf und drücke den Balken samt Mörtel gegen die bestehenden Steine. So wäre der Zwischenraum geschlossen und die Steine würden nicht irgendwann herunterkommen.
Das Problem war nur, dass sich das in der Praxis als ziemlich schwierig herausstellte. Nachdem ich den Balken leicht gekippt hatte, marschierte mir der ganze Betonmörtel davon und veranstaltete eine Riesensauerei. Den Mörtel auf dem Balken zu halten, war schlicht und ergreifend nicht möglich.
Andere Ideen, etwa eine andere Konsistenz des Mörtels zu wählen, waren in der Praxis ebenfalls wenig hilfreich und funktionierten nicht.
Tja, was nun?
Eine Idee war, Quellmörtel einzubringen und ihn möglichst geschmeidig in die Fuge zu drücken. Das wäre sicherlich eine Möglichkeit gewesen.
Da ich aber noch Injektionsmörtel von Tox hatte, überlegte ich: Was spricht eigentlich dafür und was dagegen?
Ich habe mich schließlich dafür entschieden und damit wohl die teuerste Ausfugung im ganzen Haus durchgeführt. Den Injektionsmörtel hatte ich ursprünglich für eine andere Stelle an der Wand gebraucht, bei der ersten Sanierungsetappe. Nun stand er nur noch herum. Zurückgeben konnte ich ihn nicht mehr, also wollte ich ihn sinnvoll verwenden.
An dieser Stelle schien mir das zunächst in Ordnung.
Ich habe also den Injektionsmörtel aufgetragen und zwischen den Balken und die Steine gedrückt.
Natürlich gibt es Gegenargumente. Eines davon ist, dass das Holz an dieser Stelle nicht mehr richtig „atmen“ kann. Der Injektionsmörtel ist sehr dicht, sodass Feuchtigkeit dort nur eingeschränkt hinein- oder herausgelangen kann.
Außerdem wird das Zeug steinhart. Wenn der Balken arbeitet, können dadurch Kräfte auf die darüberliegenden Steine übertragen werden, die im ungünstigen Fall Schäden verursachen.
Meine Überlegung dazu war: Drei Seiten des Balkens bleiben offen. Das Holz kann also weiterhin Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Außerdem kann es sich an anderen Stellen ausdehnen oder zusammenziehen. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Kräfte an dieser einen Stelle begrenzt bleiben.
Auch bei der Diffusion setze ich darauf, dass zum Innenraum beziehungsweise nach außen hin diffusionsoffene Materialien verwendet werden. So möchte ich vermeiden, dass Feuchtigkeit dauerhaft im Holz eingeschlossen wird und es irgendwann fault.
Ein weiterer Punkt war für mich, dass sich oberhalb des Balkens Mauersteine befinden, die nach meiner Einschätzung keine zusätzliche tragende Funktion übernehmen. Deshalb habe ich die Situation als eher unkritisch eingeschätzt.
Ob diese Einschätzung langfristig richtig ist, wird sich zeigen. Gerade bei alten Fachwerkhäusern sollte man solche Anschlüsse nicht einfach pauschal als unproblematisch betrachten.
Eine andere und wahrscheinlich sinnvollere Variante wäre gewesen, den Quellmörtel mit einer geeigneten Spritztülle einzubringen.
Dafür habe ich an anderer Stelle sogar eine alte Kuchenspritze zweckentfremdet. Und das funktionierte richtig klasse!
Mit dieser Methode hatte ich Quellmörtel beispielsweise unter einem schweren Fenster eingebracht, um den Rahmen sauber zu unterfüttern. Dort gab es ebenfalls nur eine schmale Fuge von etwa ein bis zwei Zentimetern. Mit einer Kelle war es ziemlich schwierig, diese Fuge vollständig zu füllen und sämtliche Hohlräume zu erreichen.
Mit der Spritze ging das deutlich besser.
Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, solche Fugen zu schließen. Meine Lösung mit dem Injektionsmörtel war sicherlich die teuerste Fuge, die ich im ganzen Haus hergestellt habe. Aber zunächst einmal ließ sie sich damit schließen, und die Verarbeitung hat funktioniert.
Ob das auf Dauer auch bautechnisch die richtige Lösung ist, ist eine andere Frage.
Mit Sicherheit muss man im jeweiligen Einzelfall prüfen, was sinnvoll ist, was nicht und welche Risiken man eingeht.
Also: erst nachdenken, dann machen. Auch wenn man manchmal erst hinterher merkt, worüber man vorher noch hätte nachdenken sollen.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist die Abdichtung zwischen Holzbalken und Mauerwerk kritisch?Holz arbeitet bei Feuchtigkeitsschwankungen, während Injektionsmörtel sehr starr ist; zudem kann das Holz durch dichte Materialien an der Atmung gehindert werden.
Welche Alternative gibt es zum Injektionsmörtel für schmale Fugen?Quellmörtel, der mit einer Spritztülle oder einer zweckentfremdeten Kuchenspritze eingebracht wird, erlaubt ein präzises Füllen enger Hohlräume.